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Beschreibungen: Abkürzungen (Forts.)

N (Forts.)

NL (Niederlande)

Niederlande, konstitutionelle Monarchie in Westeuropa, die im Norden und Westen an die Nordsee, im Osten an Deutschland und im Süden an Belgien grenzt. Zusammen mit Belgien und Luxemburg bilden die Niederlande die so genannten Beneluxstaaten. Die Niederländischen Antillen und Aruba, zwei selbst verwaltete Territorien in der Karibik, gehören ebenfalls zum Königreich. Die Niederlande umfassen eine Gesamtfläche von 41 526 Quadratkilometern, von denen 33 920 Quadratkilometer Landfläche sind. Die Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Amsterdam.

Das Land hat eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 300 Kilometern, von Westen nach Osten erstreckt es sich über rund 180 Kilometer. Die Küstenlänge beträgt etwa 451 Kilometer.

LAND
Das Wort Niederlande (niederländisch Nederlanden) bedeutet tief liegendes Land; ein großer Teil des Nordens und des Westens des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Diese Region, die als Niedere Niederlande bezeichnet wird, ist von Kanälen, Flüssen und kleinen Buchten geprägt. Im Osten und Süden liegen die Hohen Niederlande, deren Oberfläche leicht über dem Meeresspiegel liegt und deren Landschaft flach bis leicht hügelig ist. Das Gebiet in den Hohen Niederlanden ist selten höher als 50 Meter. Nur im äußersten Südosten gibt es mehrere Erhebungen über 100 Meter.

"Gott erschuf die Welt, aber die Holländer erschufen Holland”, so lautet ein altes niederländisches Sprichwort. Die Deiche, Kanäle, Staudämme, Schleusen und Windmühlen, die die Landschaft der Niederlande prägen, sind alle Teil des Entwässerungssystems, das bereits im Mittelalter existierte. Dieses System hat es den Bewohnern des Landes ermöglicht, dessen Fläche um fast ein Fünftel zu vergrößern. Ohne die ständige Dränage und den Schutz der Stranddünen wäre etwa die Hälfte der Niederlande von Wasser bedeckt.

Am 1. Februar 1953 führten eine Springflut und schwerer Wellengang dazu, dass die Deiche und Dünen an der Küste der nördlichen Provinz Zeeland brachen. Etwa 162 000 Hektar wurden überflutet, und mehr als 100 Menschen starben. 42 Jahre später wurden mehr als 250 000 Menschen aus dem Osten und dem Inneren des Landes evakuiert. Infolge schwerer Regenfälle in Frankreich und Deutschland waren der Rhein und die Maas über die Ufer getreten, und man befürchtete, dass die Deiche an den Flüssen Lek, Maas und Waal, Mündungsarme und Zuflüsse des Rheins in den Niederlanden, durch den Druck der hereinbrechenden Fluten aus den überschwemmten Gebieten brechen könnten. Die Deiche hielten dem Druck stand; zum Schutz vor weiteren Katastrophen wurde aber ein kostenaufwendiges Programm in Angriff genommen, um die Arbeit an mehr als 800 Kilometern Flussdeich zu beschleunigen.

Physische Geographie
Das Polderland Das "Polderland” zählt zu den charakteristischen Landschaften der Niederlande. Teile dieser eingedeichten Fluss- und Seelandschaft liegen bis zu sieben Meter unter dem Meeresspiegel. Ohne leistungsfähige Deich- und Dränagetechnik wäre diese Landschaftsform nicht möglich

Sturmflutwehr "Nieuwe Waterweg” Die Sturmflutwehr am Nieuwe Waterweg wurde offiziell 1996 in Betrieb genommen. Sie bildet den letzten Teil der so genannten "Deltawerke” und wird bei Sturm allein durch die heftigen Gezeitenkräfte in Gang gesetzt. Die beiden gekrümmten Stahlschotte (Einzelgewicht 680 Tonnen) des Werks sind 210 Meter lang und 22 Meter hoch. Die Schotte selbst bestehen aus speziellen Kammern, die bei Hochwasser allmählich volllaufen – das Wasser wird entsprechend geleitet. Auf diese Weise schließt sich die Sperre, wobei das Gewicht der gefluteten Kammern ein Absinken der Stahlkonstruktion auf ein künstliches Fundament im Flussbett ermöglicht. Dadurch wird die Überschwemmung des Hinterlandes, wo über zwei Millionen Menschen leben, verhindert.

An der Nordseeküste der Niederlande gibt es zahlreiche, zum Teil lang gestreckte Sanddünen. Im Südwesten werden die Dünen von Flussmündungen unterbrochen, die Deltas mit kleinen Inseln bilden. Im Norden drang das Meer durch die Dünen in das Festland vor; dadurch kam es zur Bildung der Westfriesischen Inseln, die eine Fortsetzung der festländischen Dünengürtel darstellen. Hinter diesen Inseln entstand ein Gezeitenmeer, die Waddenzee. Das Hinterland der Dünen liegt überwiegend unterhalb des Meeresspiegels; es wird durch Deiche geschützt und durch ständige Maßnahmen der Entwässerung trocken gehalten. Die frühere Zuiderzee, eine ehemalige Flussmündung des Rheins und später ein Binnenmeer, wird allmählich trockengelegt. Der so genannte Abschlussdeich, der die Zuiderzee von der Waddenzee und der Nordsee trennt, wurde 1932 fertig gestellt. Zu jener Zeit wurde damit begonnen, ein Gebiet von 225 000 Hektar trockenzulegen; das Ergebnis dieser Landgewinnung waren Polder, wie der Süd- und der Ost-Flevoland-Polder sowie der Nord-Ost-Polder. Ein großer Teil der ehemaligen Zuiderzee ist seit Beginn der achtziger Jahre trockengelegt worden. 1986 wurde die zwölfte niederländische Provinz, Flevoland, aus den zwei Flevoland-Poldern und dem Nord-Ost-Polder geschaffen. Der Rest der Zuiderzee wurde in einen Süßwassersee umgewandelt, das IJsselmeer.

Abschlussdamm Der 31 Kilometer lange, in beide Richtungen befahrbare Abschlussdamm trennt das IJsselmeer von der offenen See.

Die Inseln der südwestlichen Deltaregion durchlaufen ebenfalls einen Prozess der Veränderung. Nach der verheerenden Flut von 1953 wurde mit der Realisierung des Delta-Planes begonnen, um die Region durch den Bau einer Reihe von massiven Dämmen und Deichen zu schützen und einige Meeresbuchten von der Nordsee abzuschneiden. Im Zuge des Projekts, das 1986 fertig gestellt wurde, wurden mehrere Süßwasserseen geschaffen.

Polder in Flevoland Die Polder von Flevoland sind das Ergebnis einer in den achtziger Jahren groß angelegten Aktion zur Landgewinnung.B and U International Picture Service, Amsterdam

Der Großteil der östlichen Hälfte der Niederlande besteht aus tief liegendem, von sandigem Schwemmland bedeckten Gebiet, dessen Material von den Gletschern des Pleistozäns und den nacheiszeitlichen Flüssen abgelagert wurde. Während in den küstennäheren Gebieten das Gewässernetz vorwiegend künstlich gestaltet ist, sind in den östlichen Landesteilen noch natürliche Flussläufe vorhanden. Der Vaalserberg (321 Meter), die höchste Erhebung der Niederlande, liegt als Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges im äußersten Südosten des Landes.

Flüsse und Seen
Die Waal bei Nimwegen Die Waal-Brücke bei Nimwegen war Ende des 2. Weltkrieges (1944) ein hart umkämpftes militärisches Ziel.B and International Picture Service, Amsterdam

Die größten Flüsse der Niederlande sind der Rhein (niederländischer Anteil etwa 200 Kilometer) und seine zahlreichen Nebenflüsse und Mündungsarme, darunter Waal und Lek; ferner die Maas und die Schelde, die beide aus Belgien zufließen. Diese Flüsse und ihre Nebenflüsse strömen durch das Landesinnere von Osten nach Westen; an der Küste bilden sie Deltas mit vielen kleinen Inseln.

In den nördlichen und westlichen Landesteilen gibt es viele kleine Seen. Fast alle der größeren natürlichen Seen sind trockengelegt worden; im Zuge eines Programms zur Neuentwicklung des Deltas und die Trockenlegung der Zuiderzee wurden jedoch zahlreiche Süßwasserseen geschaffen.

NS (Niedersachsen)

Niedersachsen, Bundesland im Norden der Bundesrepublik Deutschland. Nach Norden wird Niedersachsen von der Nordsee und den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein begrenzt. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt grenzen im Osten, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen im Süden an. Im Westen grenzt Niedersachsen an die Niederlande. Der Stadtstaat Bremen wird von Niedersachsen umschlossen. Hauptstadt des Bundeslandes ist Hannover. Weitere große Städte sind Braunschweig, Osnabrück, Oldenburg, Wolfsburg, Göttingen, Hildesheim und Salzgitter.

LAND
Hannover Ihren weiträumigen Grünflächen, wie etwa dem hier abgebildeten Maschpark mit Maschsee, verdankt die niedersächsische Hauptstadt den Beinamen "Großstadt im Grünen”.Waldkirch/Mauritius Die Bildagentur

Niedersachsen ist mit einer Fläche von 47 424 Quadratkilometern das zweitgrößte deutsche Bundesland. Es reicht von der Nordseeküste bis zur deutschen Mittelgebirgsschwelle.

Große Teile des Landes gehören zur Norddeutschen Tiefebene, mit der Lüneburger Heide und dem Wendland im Osten, ausgedehnten Heide- und Moorgebieten zwischen Weser und Emsland im Westen und dem flachen Küstenraum der Nordsee mit Ostfriesland und den Ostfriesischen Inseln im Norden. Das Norddeutsche Tiefland ist bedeckt von pleistozänen Ablagerungen. Skandinavische Eismassen bedeckten während der Elster- und während der Saale-Eiszeit wiederholt das Land und hinterließen (Alt-)Moränen und Sanderflächen. Den aus dieser Oberflächenformung resultierenden, in Norddeutschland verbreiteten Landschaftstyp nennt man Geest. An die Geest schließt sich zur Nordsee hin das tiefer liegende Marschland an, auf das im Gezeitenbereich das Wattenmeer folgt – lediglich am Jadebusen und bei Cuxhaven reicht die Geest bis an die Nordsee.

Im Südosten hat Niedersachsen Anteil an den deutschen Mittelgebirgen. Das Relief der ansteigenden Mittelgebirgsschwelle wird im Übergangsbereich zum Norddeutschen Tiefland durch die teilweise mächtigen Lößdecken der Bördenlandschaften (z. B. Hildesheimer Börde) verwischt. An den Grenzen zu Sachsen-Anhalt und Thüringen reicht der Harz, mit der höchsten Erhebung des Bundeslandes (Wurmberg, 971 Meter hoch), nach Niedersachsen hinein; an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen liegen die weit gespannten Aufwölbungen des Weserberglandes, die Schichtstufen des Leineberglandes und die Schichtkämme des Weser- und Wiehengebirges. Zwischen dem Solling und dem Harzvorland ist der Leinegraben eingesenkt.

Die wichtigsten Wasserstraßen des Bundeslandes sind in nordsüdlicher Richtung Ems, Weser, Aller, Elbe und der Elbeseitenkanal sowie in ostwestlicher Richtung der Mittellandkanal.

Das Klima Niedersachsens wird im Norden durch die Nordsee geprägt, im Südosten weist es kontinentalere Züge auf. In weiten Teilen des Landes fallen durchschnittlich 600 bis 800 Millimeter Jahresniederschlag, lediglich am Harz werden über 1 200 Millimeter erreicht.

Der Harz weist eine nahezu geschlossene Waldbestockung auf, verbreitet sind Fichtenbestände. Auf den geringmächtig entwickelten Böden des Weserberglands stehen vor allem Laubwälder. Auf der Geest findet man neben der Heidevegetation Hochmoore und Kiefernbestände. In den Marschlandgebieten sind Wiesen und Weiden vorherrschend.

BEVÖLKERUNG
Die Einwohnerzahl des Bundeslandes beträgt etwa 7,64 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 161 Einwohnern pro Quadratkilometer; im südlichen Landesteil (Ballungsraum Hannover) werden auch Werte von 500 Einwohnern pro Quadratkilometer erreicht. Die Bevölkerung besteht vor allem aus Friesen und Niedersachsen. Etwa 65 Prozent der Einwohner sind evangelisch, 20 Prozent sind katholisch.

NSL (Niederschlesien)

Schlesien gliedert sich in Niederschlesien, den tiefer gelegenen Teil im Nordwesten, und Oberschlesien im Südosten. Das Gebiet umfasst die Verwaltungsgebiete Katowice, Opole, Wroclaw und Teile von Zielona Góra im Südwesten von Polen. Zu Schlesien gehörten auch Teile der heutigen Severomoravsk Kraj (nördliches Morava), der Tschechischen Republik sowie von Brandenburg und Sachsen.

Namengebend für die Region waren wahrscheinlich die Silingen, ein Teilstamm der Wandalen, der vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. an der Oder siedelte. Nach dem Abzug großer Teile dieser Bevölkerung rückten ab dem 6. Jahrhundert Slawen aus dem Osten in dieses Gebiet nach. Im 10. Jahrhundert stand Schlesien unter böhmischer Herrschaft, bis es 990 an die polnischen Piasten fiel. In der Folge zerfiel Schlesien durch Erbteilung in mehrere Teilherzogtümer, die sich im frühen 14. Jahrhundert nach und nach böhmischer Lehnshoheit unterstellten; die polnischen Könige verzichteten formell auf ihre Ansprüche auf Schlesien. 1526/27 kam Schlesien zusammen mit Böhmen an die Habsburger. Infolge der drei Schlesischen Kriege (1740-1763) fiel fast ganz Schlesien an Preußen; der Rest, das Herzogtum Teschen und ein Teil des Herzogtums Troppau-Jägerndorf, blieb bis 1918 bei Österreich und wurde 1919 durch den Vertrag von Saint-Germain zwischen Polen und der Tschechoslowakei aufgeteilt. Entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 kam das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei und der Osten Oberschlesiens an Polen. 1939 wurden die an Polen gefallenen Teile Schlesiens wieder mit dem Deutschen Reich vereint.

Nach dem 2. Weltkrieg kam auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens ganz Schlesien östlich der Lausitzer Neiße (Oder-Neiße-Linie) an Polen; über drei Millionen Deutsche wurden aus Schlesien vertrieben (siehe Vertreibung).

NW (Nordrhein-Westfalen)

Nordrhein-Westfalen, Bundesland im Westen der Bundesrepublik Deutschland. Es grenzt im Norden und Nordosten an das Bundesland Niedersachsen, im Osten an Hessen, im Süden an Rheinland-Pfalz und im Westen an Belgien und die Niederlande. Die Landeshauptstadt ist Düsseldorf; andere wichtige Städte sind Essen, Köln, Dortmund und Bonn.

LAND
Düsseldorf Der Niederrhein erreicht in Düsseldorf eine Breite von mehr als 300 Metern. Der 234 Meter hohe Rheinturm (rechts) wurde 1982 erbaut.Ligges/Mauritius Die Bildagentur

Nordrhein-Westfalen ist 34 069 Quadratkilometer groß und hat Anteil an der Norddeutschen Tiefebene und der deutschen Mittelgebirgsschwelle.

Mit der Niederrheinischen Bucht (Kölner Bucht) im Westen und der Westfälischen Bucht im Norden reicht das Tiefland bis tief in die Mittelgebirgsregion hinein. Weite Teile der Tiefebene wurden während des Pleistozäns von aus Skandinavien kommenden Eismassen geprägt. Größtenteils stark abgetragene (Alt-)Moränenreste liegen hier zwischen Sander- und Moorflächen.

Die Mittelgebirge im Süden Nordrhein-Westfalens gehören zum Rheinischen Schiefergebirge: Linksrheinisch liegt der Nordabfall der Eifel mit dem Hohen Venn, der Kommener Bucht und dem Aachener Becken, rechtsrheinisch das Bergische Land, das Sauerland, das Rothaargebirge, das Siegerland, Teile des Westerwaldes und des Siebengebirges. Die Mittelgebirge im Norden des Bundeslandes gehören zum Weserbergland: Von Norden nach Süden folgen aufeinander die Schichtkämme des Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges und das Lipper Bergland.

Rhein, Ems und Weser sind die größten Flüsse im Bundesland, sie fließen in Süd-Nord-Richtung. Lippe, Ruhr, Lenne und Sieg entwässern die Mittelgebirge im Südosten des Bundeslandes.

Das Klima Nordrhein-Westfalens wird von der Meeresnähe geprägt: Die Winter sind relativ mild, die Sommer ziemlich kühl. Eine Sonderstellung nimmt die Niederrheinische Bucht ein. Sie gehört, wie weiter südlich am Rhein gelegene Gebiete, zu den wärmsten Regionen Deutschlands: Über sechs Monate im Jahr beträgt die Monatsmitteltemperatur hier über 10° C. Die nordrhein-westfälischen Mittelgebirge gehören zu den niederschlagsreichsten Gebieten Deutschlands: Im Hohen Venn und im Rothaargebirge fallen zwischen 1 200 und 1 600 Millimeter Jahresniederschlag.

BEVÖLKERUNG
Nordrhein-Westfalen ist mit einer Einwohnerzahl von etwa 17,76 Millionen das mit Abstand bevölkerungsreichste und mit circa 521 Einwohnern pro Quadratkilometer auch das am dichtesten besiedelte Bundesland Deutschlands. Die Bevölkerung besteht vor allem aus Rheinländern und Westfalen, 53 Prozent sind katholisch, 42 Prozent evangelisch. Die Bevölkerungsstruktur des Landes veränderte sich in der Nachkriegszeit durch die Zuwanderung von vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen.

NY (New York - USA)

Hauptstadt: Albany
Größte Stadt: New York
Beitritt: 1788

New York, US-Bundesstaat, der im Norden an die kanadischen Provinzen Ontario und Quebec, im Osten an Vermont, Massachusetts und Connecticut, im Südosten an den Atlantik, im Süden an New Jersey und Pennsylvania und im Westen an Pennsylvania und Ontario grenzt.

New York trat den Vereinigten Staaten am 26. Juli 1788 als elfter der 13 Gründerstaaten bei. Der Staat war innerhalb der USA lange Zeit politisch, kulturell und wirtschaftlich tonangebend. Trotz wirtschaftlicher Probleme in den siebziger und achtziger Jahren, die vor allem die Stadt New York und andere urbane Regionen betrafen, ist der Staat nach wie vor führend in Produktion, Handel, Außenwirtschaft, Kommunikationswesen und Finanzen. New York wurde in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts nach dem Duke of York, dem späteren König Jakob II. von England, benannt und trägt den Beinamen "Empire State” (Kaiserstaat). Die größten Städte sind Albany (die Hauptstadt), New York (die größte Stadt in den USA), Buffalo, Rochester, Yonkers und Syracuse.

LAND
New York ist nach wie vor einer der industriell führenden Bundesstaaten der USA, obwohl der Produktionssektor in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist.

Mit einer Fläche von 141 089 Quadratkilometern rangiert New York in der Ausdehnung auf Platz 27 unter den US-Bundesstaaten. Es hat ungefähr die Form eines rechtwinkligen Dreiecks. Long Island bildet einen Fortsatz im Südosten. Die maximale Ausdehnung beträgt etwa 515 Kilometer von Ost nach West und 500 Kilometer von Nord nach Süd. Long Island erstreckt sich über eine Länge von circa 195 Kilometern in Ost-West-Richtung. Die Erhebungen reichen vom Niveau des Meeresspiegels entlang der Atlantikküste im Südosten bis zu einer Höhe von 1 629 Metern auf dem Gipfel des Mount Marcy im Nordosten. Die Küste ist insgesamt etwa 200 Kilometer lang.

Physische Geographie
Die Landschaft des Staates New York ist abwechslungsreich und lässt sich in sieben größere Regionen einteilen: das Sankt-Lorenz-Tiefland, das Adirondack-Hochland, das Tiefland im Osten der Großen Seen, das Appalachenplateau, die Hudson-Mohawk-Furche, das Hochland von Neuengland und die Atlantische Küstenebene. Das Sankt-Lorenz-Tiefland im Norden besteht aus einer schmalen Senke entlang des Sankt-Lorenz-Stromes und einer an den Champlainsee grenzenden Ebene. Das Gebiet ist flachwellig und wird nach Süden hin hügeliger. Auf den unterschiedlichen Ausgangssubstraten (Sand, Kalkstein) haben sich differenzierte Böden entwickelt.

Das Adirondack-Hochland im Nordosten des Staates nimmt etwa ein Viertel der Landesfläche ein. Zahlreiche Gipfel sind höher als 1 220 Meter; zu ihnen gehört der Mount Marcy. Geologisch gehören sie zum Kanadischen Schild und bestehen aus sehr alten, präkambrischen Gesteinen. Die Böden sind im Allgemeinen nur von geringer Mächtigkeit.

Das Tiefland im Osten der Großen Seen, das an den Eriesee und den Ontariosee grenzt, ist in der Nähe der Seen meist flach und mit zunehmender Entfernung von diesen wellig bis hügelig. Zwischen Rochester und Syracuse ist die Landschaft von Drumlins geprägt. Diese asymmetrischen Hügel wurden während der Eiszeiten von Gletschern geformt. Der Untergrund besteht vor allem aus Kalkstein, Sandstein und Schiefer. Durch die Wechsellagerung von härteren und weicheren Gesteinen haben sich Schichtstufen herausgebildet, die in Westostrichtung verlaufen. Die Niagarafälle bildeten sich dort, wo der Niagara River über eine dieser Schichtstufen nach unten stürzt. Die Böden sind überwiegend kalkhaltig und nährstoffreich.

Niagarafälle Die Niagarafälle liegen zwischen Erie- und Ontariosee an der Grenze von USA und Kanada. Sie bestehen aus den American Falls und den Canadian (Horseshoe) Falls.Grapes-Michaud/Photo Researchers, Inc.

Das Appalachenplateau im Süden weist drei Hauptabschnitte auf. Die Catskill Mountains, die eine Höhe von bis zu 1 280 Metern erreichen, bilden den östlichen Teil dieser Region. Der niedrigste Abschnitt liegt im Zentrum des Staates und ist von tiefen, durch Gletscher erodierten Trogtälern durchzogen. Hier liegen auch die bekannten Finger Lakes. Im Westen ist das Plateau höher, jedoch ebenfalls von tiefen Taleinschnitten durchzogen. Den Untergrund des Appalachenplateaus bildet Sedimentgestein, vor allem Sandstein, Schiefer und Kalkstein, sowie ausgedehnte Salzablagerungen. In den Tälern haben sich fruchtbare Schwemmlandböden entwickelt.

Die Hudson-Mohawk-Furche liegt im mittleren und östlichen Teil des Staates New York. Zwischen dem Appalachenplateau und dem Hochland von Neuengland verläuft das enge Tal des Hudson. An dessen Südende erstreckt sich eine Tiefebene in südwestlicher Richtung durch das Wallkill-Tal. Das Mohawk-Tal liegt nordwestlich des Hudson, zwischen den Adirondacks und dem Appalachenplateau. Im äußersten Nordwesten der Region, zwischen den Adirondacks und dem östlichen Tiefland der Großen Seen, liegt das isolierte, etwa 610 Meter hohe Tug-Hill-Plateau. Geologisch gehört es zum Appalachenplateau und hat einen ähnlichen Gesteinsaufbau. Die Böden in der Hudson-Mohawk-Furche reichen von fruchtbaren Schwemmlandböden in den Flusstälern bis zu sehr kalkhaltigen, mäßig fruchtbaren Böden, die auf dem von Gletschern mitgeführten Geschiebelehm entstanden.

Das Hochland von Neuengland lässt sich in drei Abschnitte unterteilen: die Taconic Mountains im Osten, die Hudson Highlands im Südosten und die Manhattan Hills, die aus kristallinem Gestein bestehen, eine relativ geringe Höhe besitzen und den Großteil des Verwaltungsbezirks Westchester sowie Manhattan Islands bedecken.

Long Island und Staten Island bilden den Teil, der zur Atlantischen Küstenebene gehört. Der Nordteil von Long Island besteht aus flachen Hügeln mit maximal 90 Meter Höhe, der Süden aus einer Tiefebene. Die Böden sind vorwiegend sandig und nährstoffarm.

Flüsse und Seen
New York verfügt über zahlreiche Flüsse und Seen. Die Großen Seen und der Sankt-Lorenz-Strom durchfließen den Westen und das Zentrum des Staates New York, einschließlich der Finger Lakes, des Tug-Hill-Plateaus und Teilen der Adirondacks, sowie den äußersten Norden des Staates. Bekannte Flüsse sind neben dem Sankt-Lorenz-Strom Genesee, Black, Niagara, Oswego, Hudson, Mohawk, Allegheny, Susquehanna und Delaware. Von den zahlreichen Wasserfällen sind die Niagarafälle die bekanntesten.

Drei der Großen Seen – Champlainsee, Eriesee und Ontariosee – liegen nur teilweise im Staat New York. Hingegen befinden sich verschiedene Seen ganz auf dem Territorium des Staates: der Oneida-See und die Finger Lakes bei Syracuse; die Saranac-Seen, Lake Placid, Blue Mountain Lake, Cranberry Lake, Lake George, Raquette Lake und Tupper Lake, die allesamt in den Adirondacks liegen; sowie der Chautauqua-See im Südwesten. Zusätzlich zu diesen natürlichen Gewässern verfügt der Staat New York über einige große, künstlich angelegte Wasserreservoirs, vor allem in den Catskill Mountains.

Klima
Im Staat New York herrscht ein feuchtes gemäßigt-warmes Klima. Am feuchtesten und ausgeglichensten ist das Klima an der Küste, während das Hochland kontinentaler beeinflusst ist und größere Temperaturschwankungen aufweist. Im Winter fällt überall Schnee. Die Temperaturaufzeichnungen für den Staat New York weisen Extremwerte von -46,7 °C am Stillwater Reservoir (1934) und bei Old Forge (1979) (beide Orte liegen in den Adirondacks), bis 42,2 °C bei Troy im Osten (1926) auf.

BEVÖLKERUNG
Die Einwohnerzahl von New York beträgt etwa 18,1 Millionen Einwohner. New York ist einer der wenigen Bundesstaaten, deren Bevölkerung nach 1970 abnahm. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei 128 Einwohnern pro Quadratkilometer. Fast die Hälfte der Bevölkerung des Bundesstaates konzentriert sich im Großstadtgebiet von New York City. Der Anteil der weißen Bevölkerung beträgt etwa 75 Prozent, der Anteil der Schwarzen circa 16 Prozent. Ungefähr 2,2 Millionen Einwohner, das entspricht 12,3 Prozent der Gesamtbevölkerung, sind hispanischer Abstammung, viele davon Puertoricaner, die im Großraum der Stadt New York leben.

O

OBY (Oberbayern)

Oberbayern (Regierungsbezirk), in Bayern mit dem Verwaltungssitz München. Die Fläche beträgt 17 528 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl liegt bei etwa 3 959 000.


OFL (Ostflandern-Belgien)

Flandern (Region), im Norden von Belgien gelegene Region, die fünf Provinzen umfasst: Westflandern, Ostflandern, Antwerpen, Limburg und den nördlichen Teil Brabants. Flandern hat eine Fläche von 14 603 Quadratkilometern und grenzt im Westen an Frankreich und die Nordsee, im Norden und Osten an die Niederlande und im Süden an die belgische Region Wallonien. Der Westen des heutigen Flandern umfasst das Kernland des historischen Flandern.

Den größten Teil der Region bildet das flandrische Tiefland, das sich an einen etwa 65 Kilometer langen und 15 Kilometer tiefen Küstenstreifen mit Dünengürtel und dahinter liegender Polderlandschaft anschließt. Dieses ebene und reiche Weideland, das zum Teil unter Flutniveau liegt, wird im Süden von tertiären Hügellandschaften mit Auflagen quartärer Sande und Löß abgelöst. Der wichtigste Fluss ist die Schelde, die Gent und Antwerpen durchfließt. Über Kanäle bestehen Verbindungen u. a. zu Rhein, Oise und Somme. Die größten Städte sind Antwerpen, Gent, Kortrijk sowie Brügge, die Küste wird von einer fast ununterbrochenen Reihe von Badeorten begleitet. Eine Besonderheit dieser Region ist, dass das zugehörige Verwaltungszentrum, die Stadt Brüssel, in einer eigenen Sonderregion innerhalb Flanderns liegt. Die meisten Einwohner der Region sprechen die flämische Sprache, nur in den Bezirken um Brüssel und entlang der Grenze zu Wallonien leben kleinere Gruppen französischsprachiger Einwohner.

Die landwirtschaftlichen Hauptanbauprodukte umfassen Zuckerrüben, Getreide, Kartoffeln, Obst, Gemüse und Blumen. Schon früh erlangte Flandern wirtschaftliche Bedeutung: Brügge war bereits im 13. Jahrhundert eine internationale Handelsstadt und ein Zentrum für die Textilindustrie. Antwerpen verfügt seit dem 15. Jahrhundert über einen wichtigen Handelshafen. Während des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelten sich Gent, Antwerpen und Kortrijk zu industriellen Zentren. Mit dem Niedergang der altindustrialisierten Regionen in Wallonien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte die Wirtschaft Flanderns gegenüber der Walloniens an Bedeutung gewinnen. Im Dienstleistungsbereich spielt der Tourismus an der Küste und in den Städten eine große Rolle.

Flandern ist eine der drei Verwaltungsregionen Belgiens. Das Parlament hat weit reichende Befugnisse, u. a. in Fragen der Wirtschafts-, Arbeits- und Bildungspolitik, in begrenztem Umfang hat es auch das Recht, internationale Verträge abzuschließen.

Als Belgien 1830 unabhängig wurde, verschärfte sich die Sprachenfrage: Die Flamen drängten auf eine territoriale Unabhängigkeit Flanderns. Erst 1962 allerdings wurde die Sprachgrenze gesetzlich festgelegt. 1970 wurden die drei Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel gebildet, und 1993 wurde Belgien durch Verfassungsreformen in einen Bundesstaat umgewandelt. Flandern hat etwa sechs Millionen Einwohner.

OFR (Oberfranken)

Oberfranken (Regierungsbezirk), in Bayern mit dem Verwaltungssitz Bayreuth. Die Fläche beträgt 7 230 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl liegt bei etwa 1 105 000.


ONT (Provinz Ontario - Canada)

Ontario, die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas. Sie grenzt im Norden an die Hudsonbai und die Jamesbai, im Osten an Quebec, im Südosten an den US-Staat New York, im Süden an die Großen Seen – Ontariosee, Eriesee, Huronsee und Oberer See – und den US-Staat Michigan, im Südwesten an den US-Staat Minnesota und im Westen an Manitoba. Der Grenzverlauf wird im Osten streckenweise durch den Fluss Ottawa festgelegt, im Südosten durch den Sankt-Lorenz-Strom und den Niagara River; die Südgrenze verläuft streckenweise entlang der Flüsse Saint Mary's, Saint Clair und Detroit, und im Südwesten bildet der Rainy River einen Abschnitt der Grenze.

Casino in Windsor (Kanada) Wie viele andere Städte Nordamerikas wandelte sich auch Windsor in der kanadischen Provinz Ontario von einem traditionellen Produktionsstandort zu einer Stadt, in der der Dienstleistungssektor eine immer größere Rolle spielt. Der Tourismus nahm nach Eröffnung des Casinos 1998 einen rasanten Aufschwung.Richard Sheinwald/AP/Wide World Photos

Ontario wurde am 1. Juli 1867 als eine der vier Gründungsprovinzen Teil des Dominions Kanada. Von 1791 bis 1841 hatte es als Provinz Upper Canada existiert, und von 1841 bis 1867 war es mit Quebec zu einer Provinz zusammengeschlossen. Der Name der Provinz ist von einem Wort aus der Sprache der Irokesen abgeleitet, das möglicherweise "schöner See” bedeutet und auf den Ontariosee verweist oder "Felsen am Wasser” bedeutet, als Hinweis auf die Niagarafälle.

LAND
Ontario ist nach Quebec die zweitgrößte Provinz Kanadas. Die Fläche beträgt 1 068 580 Quadratkilometer; 177 390 Quadratkilometer davon werden von Binnengewässern bedeckt. Die lineare Ausdehnung beträgt 1 610 Kilometer von Ost nach West und etwa 1 690 Kilometer von Nord nach Süd. Die höchste Erhebung befindet sich im Höhenzug der Ishpatina Ridge bei Haileybury und beträgt 693 Meter. Ontario besitzt etwa 7 600 Kilometer Küste an den Großen Seen sowie ungefähr 1 210 Kilometer Küste am Meer.

OPF (Oberpfalz)

Oberpfalz (Regierungsbezirk), in Bayern mit dem Verwaltungssitz Regensburg. Die Fläche beträgt 9 690 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl liegt bei etwa 969 000.


OPR (Ostpreußen)

Ostpreußen, ehemalige Provinz des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937, umfasste die Regierungsbezirke Königsberg, Gumbinnen, Allenstein und (bis 1939) Westpreußen. Die Gesamtfläche betrug 36 992 Quadratkilometer. Die Einwohnerzahl lag 1939 bei 2,5 Millionen. Das Gebiet Ostpreußen umfasst einen Teil des Norddeutschen Tieflandes zwischen Weichsel und Memel und grenzt an die Ostsee. Der Süden Ostpreußens wird in Masuren vom Baltischen Höhenrücken durchzogen. In dieser hügeligen Landschaft befindet sich mit der 312 Meter hohen Kernsdorfer Höhe die höchste Erhebung der ehemaligen Provinz. Die Landschaft der Masuren ist waldreich und umfasst etwa 3 300 Seen (Masurische Seenplatte). Nach Süden schließen sich ausgedehnte Sanderflächen an, die über weite Strecken von Kiefernwäldern oder Heidevegetation bedeckt sind. Nördlich der Masurischen Seenplatte senkt sich die Landschaft allmählich zur Ostsee ab. Nur vereinzelt ist die Küste steil ausgebildet. So fällt etwa das Samland in einer Kliffküste zum Meer ab. Vom Verlauf her handelt es sich bei der ostpreußischen Küste überwiegend um eine typische Ausgleichsküste. Tief eingeschnittene Buchten sind durch Landzungen, die sich im Zuge lang anhaltender Strandversetzung bildeten, vom offenen Meer abgeschnürt. Die markantesten Buchten sind das Frische Haff und das Kurische Haff, die durch schmale Nehrungen von der Ostsee getrennt sind.

Das Klima weiter Teile Ostpreußens ist kontinental mit kalten Wintern und warmen Sommern. In preußischer Zeit war das Gebiet ein ausgesprochenes Agrarland; etwa zwei Drittel der Fläche wurden landwirtschaftlich genutzt. Hauptanbauprodukte waren Weizen, Roggen und Futterpflanzen. Darüber hinaus war die Pferdezucht (Trakehner) bedeutend. Wichtigste Produktionszweige waren Maschinenbau, Herstellung von Baustoffen und Verarbeitung von Nahrungsmitteln. Im Regierungsbezirk Königsberg wurde Bernstein abgebaut. Ein wirtschaftliches Problem war die weite Entfernung Ostpreußens zu großen Absatzmärkten. Nach 1945 wurden die bestehenden Wirtschaftszweige weitgehend erhalten und gefördert.

Das Gebiet des späteren Ostpreußen wurde um 3 000 v. Chr. erstmals besiedelt. Den Goten, die hier im 3. Jahrhundert n. Chr. lebten, folgten die Preußen, nach denen das Gebiet benannt wurde. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde es vom Deutschen Orden erobert. Das spätere Ostpreußen ging aus dem östlichen Teil dieses Deutschordenslandes hervor. Im Siebenjährigen Krieg wurde Ostpreußen von russischen Truppen besetzt. Die 1815 gebildete Provinz Ostpreußen war von 1824 bis 1878 mit Westpreußen zur Provinz Preußen zusammengeschlossen. Hauptstadt der Provinz Ostpreußen war Königsberg. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges kam 1945 der größere südliche Teil unter polnische, der nördliche Teil unter sowjetische Verwaltung. Aus dem sowjetischen Gebiet wurde die deutsche Bevölkerung bis 1947 vertrieben, während sie im polnischen Verwaltungsgebiet bleiben konnte.

OSL (Oberschlesien)

Nordwesten, und Oberschlesien im Südosten. Das Gebiet umfasst die Verwaltungsgebiete Katowice, Opole, Wroclaw und Teile von Zielona Góra im Südwesten von Polen. Zu Schlesien gehörten auch Teile der heutigen Severomoravsk Kraj (nördliches Morava), der Tschechischen Republik sowie von Brandenburg und Sachsen.

Namengebend für die Region waren wahrscheinlich die Silingen, ein Teilstamm der Wandalen, der vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. an der Oder siedelte. Nach dem Abzug großer Teile dieser Bevölkerung rückten ab dem 6. Jahrhundert Slawen aus dem Osten in dieses Gebiet nach. Im 10. Jahrhundert stand Schlesien unter böhmischer Herrschaft, bis es 990 an die polnischen Piasten fiel. In der Folge zerfiel Schlesien durch Erbteilung in mehrere Teilherzogtümer, die sich im frühen 14. Jahrhundert nach und nach böhmischer Lehnshoheit unterstellten; die polnischen Könige verzichteten formell auf ihre Ansprüche auf Schlesien. 1526/27 kam Schlesien zusammen mit Böhmen an die Habsburger. Infolge der drei Schlesischen Kriege (1740-1763) fiel fast ganz Schlesien an Preußen; der Rest, das Herzogtum Teschen und ein Teil des Herzogtums Troppau-Jägerndorf, blieb bis 1918 bei Österreich und wurde 1919 durch den Vertrag von Saint-Germain zwischen Polen und der Tschechoslowakei aufgeteilt. Entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 kam das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei und der Osten Oberschlesiens an Polen. 1939 wurden die an Polen gefallenen Teile Schlesiens wieder mit dem Deutschen Reich vereint.

Nach dem 2. Weltkrieg kam auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens ganz Schlesien östlich der Lausitzer Neiße (Oder-Neiße-Linie) an Polen; über drei Millionen Deutsche wurden aus Schlesien vertrieben (siehe Vertreibung).


P

PL (Polen)

Polen, amtlich Republik Polen (Rzeczpospolita Polska), Staat im östlichen Mitteleuropa. Polen grenzt im Norden an die Ostsee und Russland; im Osten an Litauen, Weißrussland und die Ukraine; im Süden an die Slowakei und die Tschechische Republik und im Westen an die Bundesrepublik Deutschland. Die Landesfläche beträgt 312 684 Quadratkilometer.

LAND
Polen liegt im Osten Mitteleuropas. Der größte Teil der Landschaft wird von einer Tiefebene geprägt. Etwa drei Viertel des Landes liegen tiefer als 200 Meter.

POM (Pommern)

Pommern (polnisch Pomorze), ehemalige preußische Provinz an der Ostsee. Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im 2. Weltkrieg wurde Pommern geteilt mit der Oder als Grenze zwischen beiden Regionen. Das Gebiet westlich der Oder war Teil der Sowjetischen Besatzungszone (der späteren DDR 1949-1990). Seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 gehört das Gebiet zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Das Gebiet östlich der Oder, das den größten Teil Pommerns umfasst, wurde der polnischen Verwaltung unterstellt. Im Rahmen des Warschauer Vertrags (1970) wurde das Gebiet offiziell als polnisches Staatsgebiet anerkannt.

Während des Mittelalters bezeichnete man mit dem Begriff Pommern das Gebiet an der Ostseeküste zwischen Weichsel und Oder, das um 600 n. Chr. von slawischen Stämmen besiedelt worden war, die das Land Pomorje ("Küstenland”) nannten. Nachdem das Gebiet vom Deutschritterorden erobert worden war, verschob sich die Grenze allmählich nach Westen. Der Bereich westlich der Weichsel und nördlich der Netze, die so genannten Pomerellen, fiel an Polen. Im Rahmen des Westfälischen Friedens (1648) wurde Pommern zwischen Brandenburg und Schweden aufgeteilt. Brandenburg (nach 1701 das Königreich Preußen) fiel 1720 ein Teil des schwedischen Pommerns zu, 1772 schließlich erhielt es die Pomerellen. 1815 wurde auf dem Wiener Kongress Pommern unter preußische Verwaltung gestellt.

R

RP (Rheinland-Pfalz)

Rheinland-Pfalz, Bundesland im Westen der Bundesrepublik Deutschland. Es grenzt im Norden an Nordrhein-Westfalen, im Osten an Hessen und Baden-Württemberg, im Süden an Frankreich und das Saarland und im Westen an Luxemburg und Belgien. Mainz ist Landeshauptstadt; weitere wichtige Städte sind Ludwigshafen, Koblenz, Kaiserslautern und Pirmasens.

LAND
Mosel Das Tal der in weiten Schleifen fließenden Mosel zählt zu den bedeutendsten Weinbaugebieten in Deutschland.Patrick Ward/Corbis

Die Fläche von Rheinland-Pfalz beträgt 19 839 Quadratkilometer. Das Bundesland hat Anteil an der Oberrheinischen Tiefebene und verschiedenen deutschen Mittelgebirgen: Im Norden liegen die Eifel und der Westerwald; südlich der Mosel bzw. der Lahn Hunsrück und Hintertaunus; im Süden das Saar-Nahe-Bergland und der Pfälzer Wald (mit Haardt und Wasgau). Zwischen den Erhebungen der Mittelgebirge liegen fruchtbare, meist mit Löß bedeckte Beckenlandschaften. Der Rhein durchquert das Land von Süden nach Norden, die Mosel durchströmt es von Südwesten nach Nordwesten.

Die Reliefunterschiede wirken sich auf das Klima aus: Das von Westwinden geprägte Gebiet gliedert sich in Bereiche mit relativ hohen Niederschlägen (um 1 000 Millimeter im Hunsrück und in der Eifel) und sehr trockene Gebiete, die sich im Regenschatten befinden, wie z. B. das mittelrheinische Becken (mit Niederschlägen von durchschnittlich nur 500 bis 600 Millimetern).

BEVÖLKERUNG
Die Bevölkerungszahl des Bundeslandes beträgt etwa 3,92 Millionen, die Bevölkerungsdichte rund 198 Einwohner pro Quadratkilometer. In den vier Ballungsgebieten um Ludwigshafen, Mainz, Koblenz und Kaiserslautern ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während die Mittelgebirgsregionen sehr dünn besiedelt sind. Knapp über die Hälfte der Bevölkerung (56 Prozent) ist katholisch, 41 Prozent sind evangelisch.

S

SA (Sachsen-Anhalt)

Sachsen-Anhalt, Bundesland im Osten der Bundesrepublik Deutschland, grenzt im Nordosten und Osten an Brandenburg, im Südosten an Sachsen, im Südwesten an Thüringen und im Westen und Nordwesten an Niedersachsen. Hauptstadt des Landes ist Magdeburg, weitere große Städte sind Dessau und Halle.

LAND
Das Bundesland Sachsen-Anhalt hat eine Fläche von 20 445 Quadratkilometern; es reicht vom Norddeutschen Tiefland bis an die deutsche Mittelgebirgsschwelle und erstreckt sich zu beiden Seiten der mittleren Elbe. Im Norden des Bundeslandes liegt die Altmark, eine teils ebene, teils flachwellige Landschaft mit (Alt-)Moränen der Saale-Eiszeit und ausgedehnten Niederungen. Die Hellberger Höhen im Süden der Altmark sind bis zu 160 Meter hoch. Südlich dieses Moränenzuges liegt die (Colbitz-)Letzlinger Heide.

Südlich des Mittellandkanals bzw. südlich des Elbe-Havel-Kanals, im Zentrum Sachsen-Anhalts liegt die Magdeburger Börde, eine überaus fruchtbare Lößlandschaft. Südwestlich dieser Börde liegen der Harz und das Harzvorland. Im östlichen Teil des Harzes erhebt sich das bis 1 142 Meter hohe Brockenmassiv, die höchste Erhebung des Bundeslandes. Im Süden hat Sachsen-Anhalt Anteil am Thüringer Becken, an der Goldenen Aue und an der Leipziger Tieflandsbucht mit der Dübener Heide. Im Osten, an der Grenze zu Brandenburg, liegt der Fläming. Die größten Flüsse des Landes sind Elbe, Saale, Bode und Unstrut.

Das Klima des Bundeslandes ist ozeanisch geprägt, es erfährt durch die Becken und Höhen der Mittelgebirge beträchtliche Abwandelungen. Im Norden des Harzes fallen zum Teil beträchtliche Niederschläge, durchschnittlich zwischen 1 200 und 1 600 Millimeter im Jahr. Das Saale-, das Unstrut- und das Bodetal gehören zu den trockensten Landschaften Deutschlands, im Regenschatten des Harzes werden in der Regel kaum 500 Millimeter Jahresniederschlag erreicht.

BEVÖLKERUNG
Die Einwohnerzahl des Bundeslandes beträgt etwa 2,78 Millionen. Mit einer Bevölkerungsdichte von 136 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Sachsen-Anhalt zu den am dünnsten besiedelten Bundesländern. Der industrialisiertere Süden ist stärker bevölkert als der überwiegend agrarisch geprägte Norden

SH (Schleswig-Holstein)

Schleswig-Holstein, nördlichstes Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Es grenzt im Norden an Dänemark, im Osten an die Ostsee und Mecklenburg-Vorpommern, im Süden an die Bundesländer Hamburg und Niedersachsen und im Westen an die Nordsee. Landeshauptstadt und zugleich die größte Stadt ist Kiel. Lübeck, Flensburg und Neumünster sind weitere Städte von Bedeutung. Das Bundesland ist 15 729 Quadratkilometer groß und hat circa 2,7 Millionen Einwohner.

LAND
Schleswig-Holstein umfasst in etwa das südliche Drittel der Halbinsel Jütland sowie die Nordfriesischen Inseln und Helgoland in der Nordsee und die Ostsee-Insel Fehmarn. Jütland ist ein Teil des Norddeutschen Tieflandes, das weithin von Ablagerungen pleistozäner Inlandvergletscherungen bedeckt ist. Alle Landschaftsformen Schleswig-Holsteins – mit Ausnahme der Helgolands – sind glazialen oder marinen Ursprungs. Von Westen nach Osten gliedert sich das Bundesland in vier verschiedene Landschaften: in die Marschenzone an der Nordsee (mit vorgelagertem Wattenmeer), in die Altmoränenzone der hohen Geest, in die Sandzone der niederen Geest und in die Jungmoränenzone des östlichen Hügellandes an der Ostsee (mit Förden und Buchten).

Das Marschland im Westen Schleswig-Holsteins entstand aus Schlickablagerungen wiederholter Transgressionen (Vordringen des Meeres über größere Teile des Festlandes) seit dem Ende der letzten Eiszeit. An der Nordsee schützen Deiche das Marschland gegen Sturmfluten und Überschwemmungen. Vor den Deichen erstreckt sich das Watt, ein 5 bis 30 Kilometer breiter Bereich, der bei Flut vom Meer überflutet wird und bei Ebbe zum Teil oder ganz trockenfällt. Küstennahe Bereiche werden durch Eindeichung als Polder zu neuem Marschland. Um das Ökosystem Wattenmeer zu schützen wurde 1985 zwischen der dänischen Grenze und der Elbmündung ein Nationalpark gegründet. Das Marschland Schleswig-Holsteins besteht aus der Landschaft Dithmarschen im Süden, der Halbinsel Eiderstedt und dem inselreichen Nordfriesland. Zwei verschiedene Inseltypen kommen in Nordfriesland vor: die Geestinseln Sylt, Amrum und Föhr und die Marschinseln Nordstrand, Pellworm und die Halligen. Im Herbst 1998 ereignete sich in der Nordsee eine ökologische Katastrophe. Nachdem bereits am 25. Oktober der Frachter Pallas vor der dänischen Küste in Brand geraten und schließlich vor Amrum gestrandet war, liefen im November rund 50 Tonnen Öl in die Nordsee. Das Wattenmeer zwischen Amrum, Sylt und Föhr wurde stark verschmutzt.

Im Zentrum Schleswig-Holsteins liegt die Geest-Landschaft. An die Marschenzone schließt sich im Westen, teilweise mit einem beträchtlichen Höhensprung, die hohe Geest an, eine wellige Moränenlandschaft älterer Eiszeiten. Gegen Osten geht die hohe Geest in die sandige niedere Geest (Vorgeest) über.

Das Hügelland im Osten Schleswig-Holsteins besteht aus Grund- und Endmoränen der Weichsel-Eiszeit. Es birgt zahlreiche Seen und hat fruchtbare Lehmböden. Im Norden wird das Hügelland von den Förden der Ostsee in die Halbinseln Angeln, Schwansen und Dänischer Wohld geteilt. Im Süden des Hügellandes liegen das, von Endmoränenzügen umrahmte, Lübecker Becken, das Moränenhochgebiet des Bungsberges – der mit 168 Metern die höchste Erhebung des Bundeslandes ist – die Seenlandschaft der Holsteinischen Schweiz und die flachen Grundmoränenlandschaften der Probstei, Ostwagriens und Fehmarns. Die Ostseeküste ist teilweise als Steilküste und teilweise als flache Ausgleichsküste ausgebildet.

Das Klima Schleswig-Holsteins ist ozeanisch mit milden Wintern und kühlen Sommern. Vorherrschende Windrichtung ist West. Die Niederschlagsmenge, die ein Jahresmittel von 720 Millimetern aufweist, nimmt von der hohen Geest bis nach Fehmarn ab. Mit einem Waldanteil von nur 9 Prozent ist Schleswig-Holstein das waldärmste Bundesland Deutschlands. Die Flüsse, die den Naturraum Schleswig-Holsteins prägen, sind Eider, Treene, Trave, Alster und Stör. Der Nord-Ostsee-Kanal verläuft von der Kieler Förde aus nach Südwesten zur Elbe hin. Im Osten gibt es eine Reihe von Seen, wie den Selenter See, den Ratzeburger See und die Plöner Seenplatte.

BEVÖLKERUNG
Die Westküste Schleswig-Holsteins und die ihr vorgelagerten Inseln sind die Heimat der Nordfriesen, die teilweise noch ihre eigene Sprache sprechen. Im Raum um Flensburg lebt eine dänische Minderheit. Die Bevölkerungsdichte von 171 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Rund 86 Prozent der Menschen sind Protestanten, etwa sechs Prozent Katholiken.

SIB (Siebenbürgen)

Siebenbürgen, Landschaft in Rumänien zwischen den Karpaten im Norden, Osten und Süden sowie dem Westsiebenbürgischen Gebirge im Westen. Sie umfasst das Siebenbürgische Hochland, eine 300 bis 800 Meter hohe Becken- und Hügellandschaft, durch die u. a. der Mures mit seinen Nebenflüssen fließt, sowie die Randzonen der umgebenden Gebirge. Das über fruchtbare Böden und günstige klimatische Verhältnisse verfügende Gebiet wird weitgehend landwirtschaftlich genutzt, seitdem die großen Waldbestände größtenteils abgeholzt wurden. Neben dem Anbau von Getreide, Wein und Obst ist vor allem die Viehzucht von wirtschaftlicher Bedeutung. Darüber hinaus sind das Hochland selbst wie auch die umgebenden Randgebirge reich an Bodenschätzen wie Erdgas, Salz, Stein- und Braunkohle sowie verschiedenen Erzen. Bedeutende Industrien konnten sich auf dieser Grundlage entwickeln. Infolge günstiger Voraussetzungen ist Siebenbürgen von alters her ein bevorzugtes Siedlungsgebiet, das im Verlauf seiner Geschichte wechselnden Herrschaften unterstand. Die in vorchristlicher Zeit zum Königreich der Daker und von 105 bis 271 n. Chr. zum Römischen Reich gehörende Region unterstand ab dem 7. Jahrhundert bulgarischer und anschließend ungarischer Herrschaft. Im 16. Jahrhundert wurde Siebenbürgen ein eigenständiges Fürstentum unter osmanischer, ab 1683 österreichischer Oberhoheit. 1867 kam es an Ungarn und 1920 schließlich zu Rumänien. Im 10. Jahrhundert wurden hier zum Grenzschutz ungarische Szekler angesiedelt. Im 12. Jahrhundert folgten moselfränkische Bauern und Handwerker, die aufgrund ihres Rechtskodexes, des Sachsenspiegels, als Siebenbürger Sachsen bezeichnet wurden. Beide Volksgruppen bilden heute eine ethnische Minderheit. Zu den wichtigsten Städten Siebenbürgens gehören Klausenburg (Cluj-Napoca), Kronstadt (Brasov), Hermannstadt (Sibiu) und Tîrgu Mures.

SN (Sachsen)

Sachsen (Bundesland), im Osten der Bundesrepublik Deutschland gelegenes Bundesland.

Es grenzt im Südwesten an Bayern, im Westen an Thüringen, im Nordwesten an Sachsen-Anhalt, im Nordosten an Brandenburg, im Osten an Polen und im Süden an die Tschechische Republik. Hauptstadt des Landes ist Dresden. Weitere große Städte sind Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Görlitz und Plauen.

LAND
Elbsandsteingebirge Lang dauernde Erosion führte zur Herausbildung der bizarren Formen. Turm- und nadelförmige Felsen, die durch enge Schluchten und Klammen voneinander getrennt sind, treten an vielen Stellen des Elbsandsteingebirges auf. Daneben gibt es einige Erhebungen, die typischen Tafelbergen ähneln, wie etwa der Lilienstein (im Hintergrund links).Krautwurst/Mauritius Die Bildagentur

Das 18 338 Quadratkilometer große Sachsen liegt im Übergangsbereich von glazial geprägter norddeutscher Landschaft zur deutschen Mittelgebirgsschwelle.

Der Norden Sachsens wurde während des Pleistozäns von aus Skandinavien kommenden Gletschern und deren Schmelzwässern geprägt: In der Leipziger Tieflandsbucht liegen stark abgetragene Reste von (Alt-)Moränen der Saale- und der Elster-Eiszeit zwischen großflächigen Geschiebelehm-Platten; die nördliche Oberlausitz wird von Südwesten nach Nordosten von dem breiten, von Schmelzwässern geschaffenen Breslau-Magdeburger-Urstromtal durchquert. Im Norden reicht die Dübener Heide in das Bundesland hinein.

Zur Mittelgebirgsschwelle hin geht das Flachland in das Mittelsächsische Berg- und Hügelland über, das vielerorts von mächtigen Lößdecken überdeckt wird. Im Westen dieses Naturraumes liegt das Vogtland, östlich der Elbe das Lausitzer Bergland.

Nach Süden steigt das Mittelsächsische Bergland allmählich zu den Mittelgebirgen an, über die die Grenze zur Tschechischen Republik verläuft. An das Elstergebirge schließen nach Osten das Erzgebirge (mit dem 1 214 Meter hohen Fichtelberg als höchstem Berg Sachsens), das Elbsandsteingebirge (zu beiden Seiten der Elbe) und das Lausitzer Gebirge an.

Wichtigster Fluss des Bundeslandes ist die Elbe, die bis auf den äußersten Südosten die gesamte Landesfläche entwässert. Im Westen durchziehen die Freiberger und die Zwickauer Mulde sowie die Zschopau Sachsen. Grenzfluss zu Polen ist die Neiße.

Das Klima Sachsens wird geprägt durch die Meeresferne des Bundeslandes, die Winter sind kälter (mittlere Januartemperatur in Leipzig: -0,3 ºC) und die Sommer wärmer (mittlere Julitemperatur 18,4 ºC) als in Küstennähe. Klimabegünstigt sind die Leipziger Tieflandsbucht und der Dresdener Elbtalkessel. In den Höhenlagen des Erzgebirges fallen bis 1600 Millimeter Jahresniederschlag, in weiten Teilen des Landes nur zwischen 600 und 800 Millimeter.

Etwa ein Viertel der Landsfläche ist bewaldet, verbreitet sind vor allem Fichtenbestände. Über 70 Prozent der Wälder, vor allem an der Grenze zur Tschechischen Republik, sind geschädigt.

BEVÖLKERUNG
Die Einwohnerzahl des Bundeslandes beträgt etwa 4,61 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei circa 250 Einwohnern pro Quadratkilometer; damit gehört Sachsen zu den dichter besiedelten Bundesländern. Mit Ausnahme von Leipzig befinden sich alle größeren Städte im Süden des Bundeslandes. Besonders dicht ist Sachsen im Vorland des Erzgebirges und im Elbtal besiedelt. In der Oberlausitz leben die Obersorben. Das ursprünglich westslawische Volk der Sorben (Wenden), das in der Lausitz circa seit dem 7. Jahrhundert siedelt, hat sich seine eigene Sprache (Sorbisch) und Kultur erhalten. Etwa ein Drittel der sächsischen Bevölkerung ist christlichen Glaubens.

Steins_Hornoldendorf

c.

SUD (Sudetenland)

Sudetenland, allgemeine Bezeichnung für das westliche Grenzgebiet der Tschechischen Republik einschließlich der Sudeten im Norden, dem Erzgebirge (tschechisch Krušné Hory) im Nordwesten und dem Böhmerwald im Süden. Vor 1945 lebten mehr als drei Millionen Sudetendeutsche in dieser Region. 1938 wurde das Sudetenland auf Betreiben der deutschstämmigen Bevölkerung im Münchner Abkommen an das faschistische Deutschland angegliedert. Es wurde erst nach der Befreiung durch die Alliierten nach dem Ende des 2. Weltkrieges an die damalige Tschechoslowakei zurückgegeben. Die deutsche Bevölkerung im Sudetenland wurde im Anschluss daran ausgewiesen.


SWA (Schwaben)

Schwaben, ehemaliges Herzogtum, das den gesamten schwäbisch-alemannischen Sprachraum umfasste: das Elsass, Südbaden, Württemberg, die deutschsprachige Schweiz, das bayerische Schwaben, Vorarlberg und Liechtenstein; benannt ist es nach den Sweben.

746 wurde das Gebiet nach der Auflösung des älteren alemannischen Stammesherzogtums in das Fränkische Reich eingegliedert. In den Machtkämpfen im sich auflösenden Karolingerreich konnte sich in Schwaben Burchard I. durchsetzen und 917 das Herzogtum Schwaben neu begründen. Nach Burchards Tod setzte König Heinrich I. 926 den stammesfremden Hermann, einen Franken, als Herzog in Schwaben ein und betonte damit den Amtscharakter des Herzogtums. Mit der Einsetzung Friedrichs I. als Herzog von Schwaben 1079 etablierten sich für die nächsten knapp 200 Jahre die Staufer im Herzogtum Schwaben. Mit dem Tod des letzten Staufers, Konradin, begann 1268 die territoriale Auflösung des Herzogtums, die vor allem den Grafen von Württemberg, aber auch den Habsburgern sowie der erstarkenden Reichsritterschaft und den Reichsstädten zugute kam. Der 1500 als übergeordnetes Organ geschaffene Schwäbische Reichskreis hielt bis zum Ende des alten Reiches ein gewisses Maß an Ordnung aufrecht.


T

T (Trennung)

Trennung einer Ehe oder Partnerschaft.

TES (Tessin/Schweiz)

Tessin (Kanton), (italienisch Cantone Ticino), im Süden der Schweiz gelegener Kanton, mit einer Fläche von 2 811 Quadratkilometern und etwa 305 000 Einwohnern. Hauptstadt des Kantons ist Bellinzona.

LAND
Der südlichste Kanton der Schweiz wird in zwei Hauptgebiete unterteilt: Das so genannte Sopraceneri erstreckt sich südlich des Sankt Gotthard und umfasst das Gebiet der Tessiner Alpen mit den nach Süden ausgerichteten Tälern von Ticino (Tessin), Brenno, Verzasca und Maggia sowie die Magadino-Ebene südwestlich von Bellinzona und das Nordende des Lago Maggiore. Das Sopraceneri ist ein Gebirgsland, in dem die Berge in der Regel stufenlos über steile Hänge bis auf 2 000 Meter ansteigen. Südlich des Monte-Ceneri-Massivs erstreckt sich das so genannte Sottoceneri. Das von sanfteren Bergformen und dichter Laubbaum- und Buschvegetation geprägte Gebiet umfasst das Vedeggio-Tal, die Region um den Luganer See und das Mendrisiotto und bildet den Übergang zur südlich gelegenen Poebene. Aufgrund der Lage am südlichen Alpenrand ist das Tessiner Klima stark mediterran geprägt und hat vor allem in den tiefen Tälern und an den Seen eine entsprechend südländische Vegetation entstehen lassen.

BEVÖLKERUNG
Wallfahrtskirche in Locarno Die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso wurde im 15. Jahrhundert auf einem bewaldeten Felsen am Ufer des Lago Maggiore erbaut. Sie umfasst auch ein Klostermuseum mit einer Sammlung kostbarer Handschriften.Spectrum Colour Library

Etwa ein Drittel der Einwohner des Kantons Tessin sind Ausländer. Vor allem Italiener stellen eine starke ethnische Minderheit. Die Bevölkerung spricht vorwiegend Italienisch. Größere Orte neben der Hauptstadt Bellinzona sind Lugano, Chiasso, Airolo und Locarno.

TH (Thüringen)

Thüringen, Bundesland in der Bundesrepublik Deutschland. Es grenzt im Westen an Hessen, im Nordwesten an Niedersachsen, im Norden an Sachsen-Anhalt, im Nordosten und Osten an Sachsen und im Süden an Bayern. Hauptstadt des Bundeslandes ist Erfurt. Weitere große Städte sind Gera, Jena, Weimar, Suhl und Eisenach.

LAND
Das 16 251 Quadratkilometer große Bundesland Thüringen liegt im Bereich der Deutschen Mittelgebirgsschwelle. Der Nordwesten und der zentrale Teil des Landes werden vom fruchtbaren Thüringer Becken eingenommen. Südlich davon liegen der Thüringer Wald, mit dem Großen Beerberg (982 Meter) als höchster Erhebung, und das südöstlich angrenzende Thüringische Schiefergebirge. Die Werrasenke im Südwesten wird umrahmt von Thüringer Wald, Vorderrhön, Hoher Rhön und Grabfeld. Im Norden Thüringens gehören Teile des Harzes, der Kyffhäuser sowie der Westteil der Goldenen Aue zu dem Bundesland. Im äußersten Nordwesten befindet sich das Untereichsfeld. Der Osten wird von der Ostthüringisch-Vogtländischen Hochfläche bestimmt, durch die Saale und Weiße Elster fließen.

Das Thüringer Becken, die Orla- und Werrasenke sowie das Unstrut- und Saaletal sind wärmebegünstigt. Der Thüringer Wald ist dagegen rau und niederschlagsreich. Die Jahresniederschläge können hier 1 300 Millimeter übersteigen, während das Thüringer Becken mit nur 450 bis 600 Millimetern zu den niederschlagärmsten Gegenden Deutschlands zählt. Mit einem Waldanteil von 31 Prozent gehört Thüringen zu den waldreichsten Bundesländern Deutschlands. Vorherrschend ist Laubwald, vor allem mit Buchen- und Stieleichen-Birken-Beständen. In den höheren Lagen der Mittelgebirge dominieren Fichten-, Tannen- und Kiefernwälder.

BEVÖLKERUNG
Die Einwohnerzahl des Bundeslandes liegt bei 2,5 Millionen. Mit einer Bevölkerungsdichte von 157 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Thüringen zu den schwächer besiedelten Bundesländern Deutschlands.

U

UFR (Unterfranken)

Unterfranken (Regierungsbezirk), in Bayern mit dem Verwaltungssitz Würzburg. Die Fläche beträgt 8 531 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl liegt bei etwa 1,3 Millionen.


USA (Vereinigte Staaten)

Staat Hauptstadt In der Union seit Fläche (qkm) Einwohner

Alabama Montgomery 1819 135.775 4.464.356
Alaska Juneau 1959 1.700.138 634.892
Arizona Phoenix 1912 295.176 5.307.331
Arkansas Little Rock 1836 137.742 2.692.090
California Sacramento 1850 424.002 34.501.130
Colorado Denver 1876 269.618 4.417.714
Connecticut Hartford 1788 14.358 3.425.074
Delaware Dover 1787 6.448 796.165
District of Columbia Washington 1800 177 571.822
Florida Tallahassee 1845 170.314 16.396.515
Georgia Atlanta 1788 153.952 8.383.915
Hawaii Honolulu 1959 28.313 1.224.398
Idaho Boise 1890 216.456 1.321.006
Illinois Springfield 1818 150.007 12.482.301
Indiana Indianapolis 1816 94.328 6.114.745
Iowa Des Moines 1846 145.754 2.923.179
Kansas Topeka 1861 213.111 2.694.641
Kentucky Frankfort 1792 104.665 4.065.556
Lousiana Baton Rouge 1812 134.275 4.465.430
Maine Augusta 1820 91.653 1.286.670
Maryland Annapolis 1788 32.134 5.375.156
Massachusetts Boston 1788 27.337 6.379.304
Michigan Lansing 1837 250.465 9.990.817
Minnesota St. Paul 1858 225.182 4.972.294
Mississippi Jackson 1817 125.443 2.858.029
Missouri Jefferson City 1821 180.546 5.629.707
Montana Helena 1889 380.850 904.433
Nebraska Lincoln 1867 200.358 1.713.235
Nevada Carson City 1864 286.367 2.106.074
New Hampshire Concord 1788 24.219 1.259.181
New Jersey Trenton 1787 22.590 8.484.431
New Mexico Santa Fé 1912 314.939 1.829.146
New York Albany 1788 141.080 19.011.378
North Carolina Raleigh 1789 139.397 8.186.268
North Dakota Bismarck 1889 183.123 634.448
Ohio Columbus 1803 116.103 11.373.541
Oklahoma Oklahoma City 1907 181.048 3.460.097
Oregon Salem 1859 254.819 3.472.867
Pennsylvania Harrisburg 1787 119.291 12.287.150
Rhode Island Providence 1790 4.002 1.058.920
South Carolina Columbia 1788 82.902 4.063.011
South Dakota Pierre 1889 199.744 756.600
Tennessee Nashville 1796 109.158 5.740.021
Texas Austin 1845 695.676 21.325.018
Utah Salt Lake City 1896 219.902 2.269.789
Vermont Montpelier 1791 24.903 613.090
Virginia Richmond 1788 110.792 7.187.734
Washington Olympia 1889 184.672 5.987.973
West Virginia Charleston 1863 62.759 1.801.916
Wisconsin Madison 1848 169.643 5.401.906
Wyoming Cheyenne 1890 253.349 494.423
Vereinigte Staaten von Amerika: 9.809.155 284.796.887

Vereinigte Staaten von Amerika, umgangssprachlich Vereinigte Staaten, USA oder Amerika. Die USA sind eine präsidiale Republik mit bundesstaatlicher Verfassung in Nordamerika. Sie bestehen aus 50 Bundesstaaten (einschließlich Alaska und Hawaii) und dem District of Columbia, der eingeschränkte Selbstverwaltung besitzt. Übersee- bzw. Außengebiete der Vereinigten Staaten sind Puerto Rico, Amerikanisch-Samoa, Guam und die amerikanischen Jungferninseln. Die Vereinigten Staaten grenzen im Norden an Kanada, im Osten an den Atlantischen Ozean, im Süden an den Golf von Mexiko und an Mexiko, im Westen an den Pazifischen Ozean. Die Nordgrenze wird teilweise durch die Großen Seen und den Sankt-Lorenz-Strom gebildet, die Südgrenze streckenweise vom Rio Grande. Die größte Stadt ist New York City, Hauptstadt ist Washington D.C. (District of Columbia).

Die Gesamtfläche der Vereinigten Staaten beträgt 9 629 047 Quadratkilometer, davon umfasst Alaska 1 530 000 Quadratkilometer und Hawaii 16 729 Quadratkilometer. Binnengewässer haben einen Anteil von 507 788 Quadratkilometern an der Gesamtfläche. Entlang des durch West Quoddy Head in Maine (östlichster Punkt der USA) verlaufenden Breitengrades beträgt die größte Breite ungefähr 4 520 Kilometer. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung misst von der Gegend um Brownsville (Texas) bis zur kanadischen Grenze circa 2 570 Kilometer. Der Mount McKinley oder Denali (6 194 Meter) in Alaska ist der höchste Punkt Nordamerikas; der niedrigste Punkt liegt in Kalifornien im Death Valley, einer Senke, die sich 86 Meter unter dem Meeresspiegel befindet.

LAND
Physische Geographie
Grand Canyon Der Grand Canyon zählt zu den beeindruckendsten Naturphänomenen im Südwesten der Vereinigten Staaten.Denis Tremblay Labtex Inc.

Im Osten und Südosten erstrecken sich am Atlantik und am Golf von Mexiko Küstenebenen; Buchten greifen stellenweise weit in das Land hinein. Im Süden sind Lagunen und zum Teil ausgedehnte Sumpfgebiete entwickelt. Das Tiefland steigt nach Westen allmählich zu den Appalachen an. Dieses geologisch alte Gebirge ist bis zu 480 Kilometer breit; höchster Berg ist der Mount Mitchell mit 2 037 Metern. Der zentrale Bereich der USA wird von den Great Plains, dem Gebiet der Großen Seen und dem Mississippibecken eingenommen. Im Westen erheben sich die erdgeschichtlich jungen Kordilleren mit den Rocky Mountains. Die steil zur Pazifikküste abfallenden Kordilleren werden von tief eingeschnittenen Gräben (u. a. Grand Canyon, Death Valley, Kalifornisches Längstal) in mehrere Gebirgsketten gegliedert. Die nördlichen Ausläufer der Kordilleren reichen bis nach Alaska. Hawaii umfasst eine lang gestreckte Inselkette im Pazifischen Ozean.

Z

zj (Zeugen Jehovas)

Die Zeugen Jehovas von Dr. Andreas Fincke:
Die Zeugen Jehovas (ZJ) sind wohl die bekannteste religiöse Sondergemeinschaft in Deutschland. Sie gelten als die "Sekte" schlechthin.

Name und Organisation

Wie bei politischen oder anderen religiösen Organisationen wird man zwischen der ideologischen Leitung und den "einfachen" Anhängern unterscheiden müssen. An der Spitze steht die "Wachtturmgesellschaft" (WTG) sowie seit 1971 eine sog. "Leitende Körperschaft". Sie verdient kritische Anmerkungen; die Mitglieder und Sympathisanten nennen sich "Jehovas Zeugen" (vgl. Jes 43, 10) und sind zumeist menschlich glaubwürdig und engagiert. Sie werden jedoch von der WTG-Organisation in so einseitiger Weise geschult, daß mitunter die Grenzen zwischen "Schulung" und Manipulation verschwimmen.

Die Wurzeln der "Ernsten Bibelforscher"

Am Anfang der Bewegung stand Charles Taze Russell (1852-1916). Russell hatte als junger Mensch unterschiedliche Kirchen kennengelernt und verschiedenes Glaubensgut in sich aufgenommen, so auch die für die späteren Zeugen Jehovas wichtige Überzeugung von der Berechenbarkeit und Datierbarkeit des Weltendes. Zunächst erwarteten Russell und seine Freunde für 1872/73 das Ende der Welt und die sichtbare Wiederkunft Christi. Als dieser Zeitpunkt verstrichen war, hoffte man auf das Jahr 1874. Nachdem sich die Wiederkunft Christi auch da nicht ereignet hatte, gründete Russell einen eigenen Bibelstudienkreis. Ab 1879 gab er eine Zeitschrift heraus, den "Zion's Watch Tower and Herald of Christ's Presence", den späteren "Wachtturm". Es entstanden Lesezirkel, die den Namen "Ernste Bibelforscher" erhielten. Russell wollte überkonfessionell wirken und keine neue Denomination oder gar "Sekte" gründen. Er steckte sein nicht geringes Vermögen in das von ihm gegründete Verlags- und Missionswerk, in die "Zion's Watch Tower Tract Society" (heute: "Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania"). Ein Schwerpunkt der Botschaft der neuen Bewegung war die Verheißung, daß mit dem Jahre 1914 das Königreich Gottes auf der Erde in Gestalt eines großen Friedensreiches beginnen werde. Als auch diese Prophezeiung nicht eintrat, wandten sich Tausende enttäuscht ab. Russell starb 1916.

Die Entstehung einer straff geführten Organisation

1917 wurde Joseph Franklin Rutherford (1869-1942) Russells Nachfolger. Er macht die Bewegung zu dem, was wir heute unter den Zeugen Jehovas verstehen: Er zwängte die nur lose miteinander verbundenen Versammlungen in eine straff geführte Organisation, in die "Theokratische Organisation" der "Zeugen Jehovas". Rutherford beseitigt die demokratischen Strukturen: Die frei gewählten Ältesten werden durch eingesetzte Versammlungsleiter ersetzt (sog. "Dienstkomitees"). Es entsteht ein Netz gegenseitiger Kontrolle. Aus engagierten Laien und interessierten Bibellesern ("Bibelforschern") werden geschulte "Wachtturm"-Verkäufer. Rutherford perfektionierte die bekannten Besuche von Haus zu Haus. Auf ihn gehen auch die monatlichen Predigtdienstberichte, die jährlichen Kongresse sowie das System der "Königreichssäle" (das sind die Versammlungsräume der ZJ) zurück. Die sog. "Leitende Körperschaft" in Brooklyn versteht sich jetzt als "Offenbarungs- und Verbindungskanal Jehovas". Ihren Anweisungen und Bibelinterpretationen ist genau zu folgen. Sie baut die Organisation der Zeugen Jehovas zu einer "Propagandamaschine" aus.

Nach Rutherfords Tod 1942 wurde Nathan Homer Knorr (1905-1977) Präsident der WTG. Er ist der große Organisator, unter dessen Leitung die Gesellschaft ein rapides Wachstum erlangt. Allein in den Jahren 1939 bis 1948 verfünffacht sich die Zahl der "Verkündiger" (das sind die aktiven Zeugen) auf 230 532. Sie waren in fast 100 Ländern aktiv. 1971/72 installiert Knorr das sog. "Ältestenamt". Die Ältesten sind Funktionäre, die sich durch besonderes Engagement für die ZJ qualifiziert haben. Der Präsident verlangt strenge Disziplin. 1977 wurde Frederic William Franz (1893-1992) im Alter von 84 Jahren sein Nachfolger; seit dem 30. 12. 1992 ist Milton G. Henschel Präsident.

Statistik

1998 gab es weltweit etwa 5,5 Mio. sog. "Verkündiger". Ein nennenswertes Wachstum verzeichnet die Organisation in Osteuropa und in Lateinamerika.

Die derzeitige Lage in Deutschland

Die Zeugen Jehovas sind eine der missionarisch aktivsten Religionsgemeinschaften in Deutschland. Es gibt praktisch keinen Ort, an dem nicht missioniert wird. Zu besonderen Anlässen werden sog. "Sonderfeldzüge" ausgerufen. In Deutschland ist derzeit von etwa 166 000 Verkündigern auszugehen; die Zahlen sind in den letzten Jahren leicht rückgängig. Da Jehovas Zeugen dennoch Neuzugänge (Taufen) verzeichnen, muß man vermuten, daß jährlich viele Menschen die Organisation verlassen. Die Zentrale für Deutschland befindet sich in Selters/Taunus. Hier werden jährlich mehr als 12 Mio. Bücher und über 100 Mio. Zeitschriften hergestellt. Ein Großteil dieser Produktion geht ins Ausland.

Besonderheiten der Lehre

Grundlage ist die Heilige Schrift in der von der Wachtturmgesellschaft genehmigten Auslegung. Die Bibel wird als wörtlich inspiriert angesehen. Jede Bibelstelle gilt einer anderen gleichwertig. Häufig argumentieren Zeugen Jehovas mit biblischen Aussagen in einem völlig anderen Kontext als dem der Heiligen Schrift. Verstärkt wird dieses tendenziöse Verfahren durch eine eigene Bibelübersetzung, die sog. "Neue-Welt-Übersetzung". Hier haben viele Begriffe aus dem Sprachgebrauch der Zeugen Eingang gefunden. Eine der gravierendsten Verfälschungen in dieser Übersetzung besteht darin, daß an 237 Stellen der (angebliche) Gottesname "Jehova" in den Text des Neuen Testaments aufgenommen wurde, obwohl dieses Wort im Urtext nicht vorkommt. Die Zeugen gehen davon aus, daß Gott seinen heilsgeschichtlichen Zeitplan in der Bibel verborgen niedergeschrieben hat. Daraus folgern sie die Notwendigkeit, die Bibel und ihre Zahlenangaben "richtig" zu deuten.

Die beiden Zeitschriften der Zeugen Jehovas erscheinen in gewaltiger Auflage: "Der Wachtturm" 22 Mio., "Erwachet!" 19 Mio., und zwar in 132 bzw. 83 Sprachen. Beide Hefte kommen zweimal im Monat heraus und sind in jüngster Zeit deutlich "moderner" und ansprechender gestaltet.

Die WTG bzw. die Zeugen Jehovas kennen keine Ökumene, das heißt, sie halten sich für die einzigen richtigen Christen. Andere Kirchen oder Weltreligionen werden radikal abgelehnt und als Formen "falscher Religion" abgetan. Bei den Zeugen heißt Glauben in erster Linie "fortschreitende Erkenntnis" aufnehmen und verbreiten, also über ein abfragbares Bibelwissen zu verfügen.

Besondere Probleme

Bluttransfusionen, selbst wenn sie lebensrettend und medizinisch dringend geboten sind, werden unter Hinweis auf Apostelgeschichte 15, 29 und alttestamentliche Stellen abgelehnt. Dem ist entgegenzuhalten, daß an den angegebenen Stellen keine Bluttransfusionen gemeint sind, und dem widerspricht auch Matthäus 12,7: "Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer."

Der Alltag

Das Leben eines Zeugen Jehovas ist durch Vorgaben der WTG streng geregelt, auch wenn nicht jedes Verbot als ausdrückliches Verbot in den Publikationen genannt ist: Jehovas Zeugen wissen sehr genau, was erlaubt ist und was Jehova (bzw. die WTG) nicht wünscht. So ist persönlicher Umgang mit Menschen, die keine Zeugen Jehovas sind, in der Regel zu vermeiden. Die Lektüre kritischer Bücher und erst recht die Lektüre von Aussteigerliteratur gilt als verwerflich. Die Mitgliedschaft in Sportvereinen usw. war lange Zeit verpönt.

Viele Feste (Weihnachten, Geburtstage, Fasching etc.) werden als "heidnisch" abgelehnt. Parteien, Gewerkschaften usw. werden kritisch gesehen. Viele Jahre war den ZJ nicht nur der Wehrdienst, sondern auch der Wehrersatzdienst verboten. Ähnliches gilt für die Teilnahme an Wahlen: Viele Jahrzehnte haben Jehovas Zeugen an keiner Wahl teilgenommen. In jüngster Zeit zeigt man in dieser Frage zwar nach Außen Kompromißbereitschaft, es ist jedoch davon auszugehen, daß die kritische Haltung zum Staat dennoch beibehalten wird.

Beurteilung

Die Zeugen Jehovas beeindrucken durch ihr persönliches Engagement, ihre Rastlosigkeit und ihr oftmals glaubwürdiges Auftreten. Aber dies ist nur die eine Seite. Hinter ihrer Fassade erweist sich diese Gemeinschaft sehr schnell als restriktive Organisation, die von den Anhängern blinden Gehorsam erwartet und für kritische Rückfragen, Einwände oder Bedenken keinen Raum hat. Die Wachtturmgesellschaft schuf ein geschlossenes ideologisches System, das jedem einzelnen seinen Platz zuordnet. Mehr noch: Die Organisation verspricht ein Überleben des Weltendes durch Zugehörigkeit zu ihr als der "richtigen" Organisation und durch fortwährende Beteiligung an deren Werbeaktivitäten. Daß die Organisation damit dem Gericht Gottes vorgreift, erscheint besonders kritikwürdig. Für viele Menschen, die sich nach Orientierung, Sicherheit und Geborgenheit in ihrem Leben sehnen, liegt aber gerade darin die Faszination der Zeugen Jehovas.

Ratschläge

Häufig sind Christen ratlos, wenn Jehovas Zeugen unvermittelt an der Wohnungstür stehen. Folgende Hinweise sind hilfreich:

Streitgespräche mit Jehovas Zeugen sind wenig sinnvoll. Meist sind Laien der geschulten Gesprächsführung der Zeugen nicht gewachsen.
Sagen Sie deutlich, daß Sie keine weiteren Besuche möchten, andernfalls werden die Zeugen immer wieder sogenannte "Rückbesuche" bei Ihnen versuchen.
Machen Sie Ihren Besuchern klar, daß Sie sich bei Ihrer Kirchengemeinde (hoffentlich!) gut aufgehoben fühlen und keinen Bedarf sehen, sich einer anderen Gemeinschaft anzuschließen.
Wenden Sie sich bei weiteren Fragen an das örtliche Pfarramt oder an die EZW.

Stand: 12.09.2017 18:37:23
Erstellt mit dem Genealogieprogramm GFAhnen 17.0.009

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